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Tom am Titikakasee
Unterwegs auf dem Lago de Titicaca (Bolivien 2008)


Jeder Tag ist ein Abenteuer,

wir ziehen los -

wie Sonne, Mond und Sterne,

in die weite Ferne.

(Black Wolf)





Abenteuer Kanaren, Ägypten und Südamerika -
Auf den Spuren von Thor Heyerdahl


von Tom Distler


Abenteuer führten mich unter anderem nach Ägypten, Peru und Bolivien. Versunkene, alte und teils vergessene Kulturen vor Ort zu erkunden, weckt in mir eine Begeisterung, die nur schwer zu erklären ist. Eine Leidenschaft, die ich mit dem großen norwegischen Abenteurer und Wissenschaftler Thor Heyerdahl (1914-2002) teile. In meinem Bücherregal befindet sich sein Lebenslauf in Buchform:

Fatu Hiva - Abenteuer in der Südsee (1974): Heyerdahl lebt zusammen mit seiner ersten Frau abgeschieden von der Zivilisation von 1937 - 38 auf einer einsamen Insel und verzichtet im Alltag auf alle technischen Hilfsmittel...

Kon Tiki - Ein Floß treibt über den Pazifik (1947): Wurde Polynesien von Südamerika aus besiedelt? Heyerdahl und sein Team bauen ein Balsafloß, mit dem sie 1947 den Pazifischen Ozean in einer abenteuerlichen Fahrt von Südamerika nach Polynesien überqueren...


Moais auf der Osterinsel


Aku Aku - Das Geheimnis der Osterinsel (1957): Erfolgte die Erstbesiedlung der Osterinsel von Südamerika aus? Heyerdahl überprüft 1955 - 1956 mögliche Einwanderungswellen und führt einige interessante Experimente mit den groß teils umgestürzten und halb vergrabenen Moais durch...

Expedition Ra - Mit dem Sonnenboot in die Vergangenheit (1970): Heyerdahl versucht 1969 mit einer internationalen Besatzung in einem bei den Pyramiden von Gizeh gebauten Papyrusboot von Marokko aus auf einer Meeresströmung Amerika zu erreichen. Er benötigt zwei Anläufe...


Schilfboot auf dem Titikakasee


Tigris - Auf der Suche nach unserem Ursprung (1979): Heyerdahl fährt mit dem Schilfboot Tigris 1977/78 vom Irak aus über die Indusmündung nach Dschibuti. Dort muss er die Reise wegen der aktuellen kriegerischen Lage abbrechen und verbrennt sein Boot aus Protest am Strand...

Fua Mulaku - Reise zu den vergessenen Kulturen der Malediven (1986): Heyerdahls archäologische Besichtigung 1983 bringt Monumente zum Vorschein, die den Einheimischen schon lange bekannt sind. Ausgrabungen weisen allerdings auf eine wesentlich ältere Bauphase hin...

Wie wir heute wissen, hat schon vor Kolumbus ein reger Schiffsverkehr quer über die Ozeane stattgefunden. Wer sich näher mit Thor Heyerdahl befassen will, sollte Teneriffa besuchen. Hier verbrachte der experimentelle Archäologe seine letzten Lebensjahre und widmete sich dabei den Pyramiden von Güimar. Im Gelände steht ein Völkerkundemuseum, das ausführlich über Theorien und Forschungsreisen informiert. Zwei Ausstellungszelte zeigen Nachbildungen der Schilfboote Tigris und Ra II. Auch am Titicacasee sprach man 2008 noch voller Bewunderung vom Abenteurer Heyerdahl---



Abenteuer Mittelamerika -
Auf den Spuren von Stephens und Catherwood


von Tom Distler


Ein großes Abenteuer führte mich 2007 nach Mexiko, Belize und Guatemala. Ich begab mich auf die Spuren von John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood. Die beiden Entdecker legten während ihrer zweijährigen Forschungsreise (1839 - 1841) den Grundstein zur Erforschung der Mayahochkultur. Sie durchforsteten praktisch das gesamte Maya-Gebiet, besuchten 44 verschiedene Stätten und entdeckten einige davon neu. Im Jahr 1841 war das Archäologenduo in Tulum. Die beeindruckende Festungsanlage liegt an der Riviera Maya, einem bezaubernden Küstenstreifen an der Karibikküste im Bundesstaat Quintana Roo und war meine erste Station. Die innere Stadt wird von einer zum Meer hin offenen Stadtmauer umrundet und die bekanntesten Gebäude sind das El Castillo (Foto) und der "Tempel des herabsteigenden Gottes". Tulum galt als religiöses Zentrum und war noch bei der Ankunft der Spanier bewohnt. Die ersten neuzeitlichen Aufzeichnungen stammen von John Lloyd Stephens.


Tulum


Der Amerikaner Stevens reiste bereits 1834 nach Ägypten und Jordanien (Petra), zeigte sich begeistert von deren Kultur und beschloss Archäologe zu werden. Er lernte 1836 den britischen Architekten Frederick Catherwood kennen. Sie träumten von Maya-Ruinen und verschlangen zahlreiche Berichte. Nicht alle Forscher kehrten zurück. Juan Galindo durchstreifte den Dschungel und starb im Unabhängigkeitskampf. Das malerische Buch von Johann Friedrich Graf von Waldeck über Yukatan gab dann den Ausschlag, selber nach unentdeckten Ruinen im Dschungel zu suchen.

Meine nächste Station war die Ruinenstätte von Xunantunich bei San Ignacio in Belize. Als Gruppe überquerten wir den Mopan-Fluss und fuhren zur Anlage hinauf. Auffälligstes Gebäude ist auch hier die Pyramide El Castillo (deutsch: Schloss). Von oben hat man einen schönen Dschungelrundblick, der bis nach Guatemala reicht. Die Anlage wurde um 900 verlassen und im 19. Jahrhundert vom britischen Mediziner Thomas Gann wiederentdeckt. Als Hobbyarchäologe entdeckte er unter anderem Lubaantun. Hier fand Anna Mitchell-Hedges 1924 angeblich ihren Kristallschädel.

Die nächsten Tage verbrachte ich im landschaftlich reizvollen Guatemala. Als Botschafter der USA wurde Stevens 1839 ebenfalls nach Guatemala geschickt. Er nutzte die Zeit und suchte zusammen mit Catherwood nach antiken Ruinen. Sie zogen bei großer Hitze und Insektenplage durch Urwälder, Schluchten, sahen Bürgerkriege und stiegen über Gebirge. Stevens beschrieb und kartierte die Entdeckungen, während Catherwood zeichnete. Diese Zeit ist sehr beeindruckend und humorvoll in "Die Entdeckung der alten Mayastätten - Ein Urwald gibt seine Geheimnisse preis" beschrieben.


Guatemala


Die großflächige Ruinenstadt Tikal erreicht man über Flores. Sie liegt auf einen niedrigen Hügel inmitten der Sumpflandschaft des Peten. Die früheste Besiedelung fand vermutlich schon 900 v. Chr. statt. Das Zentrum umfasst um die 3000 Bauwerke. Die bekanntesten Tempel stehen am Hauptplatz, auf dem die Herrscher der Stätte beigesetzt wurden. Ich konnte teilweise 20 Minuten durch die Regenwälder (Foto) laufen, ehe wieder eine Pyramide mit Kamm vor mir auftauchte. Besteigt man einen der hohen Tempel, folgt ein unbezahlbarer Panoramablick. 1848 besuchte eine Expedition unter Modesto Mendez und Ambrosio Tut diese bedeutende Stätte. Ihr Bericht wurde 1853 erstmals in Deutschland veröffentlicht. Tikal ist Weltkulturerbe der UNESCO.

Die historische Stätte Yaxchilan (Foto) liegt an einer Flussschleife am Rio Usumacinta im Grenzgebiet zwischen Guatemala und Mexiko. Nur über eine längere und abenteuerliche Bootsfahrt kann man die Ruinen erreichen. Vor Jahrzehnten führte keine Straße näher als 100 Meilen an die Stadt heran. Die Hitze vor Ort war kaum auszuhalten und auch Guatemala stecke mir noch in den Knochen. Die größte Macht hatte Yaxchilan unter König Schild-Jaguar II, der 742 mit über 90 Jahren verstarb. Juan Galindo berichtete bereits 1833 und auch der deutsch-österreichische Architekt Teoberto Maler besuchte Yaxchilan wiederholt (1897 - 1900). Er widmete sein Leben ganz der Erforschung der Maya, befragte die Einheimischen und fand zahlreiche Ruinen.


Yaxchilan


Nächster Höhepunkt war Palenque. Die Maya-Stadt liegt traumhaft eingebettet im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Schon am Eingang begegnete ich einigen geheimnisvollen Lacandonen, die in weiße Leinengewänder gekleidet sind und hinter den Ständen stehen. Sie pflegen noch die traditionelle Lebensweise der Maya. Durch die hügelige Landschaft fließen zahlreiche Bäche. Die meisten Gebäude liegen noch im dichten Dschungel verborgen. Der Palastkomplex, der Tempel der Inschriften und die Kreuzgruppe luden zum verweilen ein. 1949 entdeckte der mexikanische Archäologe Alberto Ruz Lhuillier einen verschütteten Gang und dahinter die Grabkammer von König Pakal. Er steht für die Blütezeit von Palenque und bestieg bereits als Zwölfjähriger den Thron (615 - 683). John Lloyd Stephens beschrieb die Überreste sehr detailgetreu und vermittelte damit ein gutes Gesamtbild der Ruinenstätte.

Die Tempelanlage Uxmal befindet sich südlich von Merida. Der Palast des Gouverneurs und die Pyramide des Zauberers sind in der Zeit um 500 - 900 n. Chr. entstanden. Von der Plattform hat man einen schönen Überblick über die Anlage, aber ich freute mich bereits auf Chichen Itza. Die weltbekannte Pyramide El Castillo (Foto) bekam vor ein paar Monaten den Status eines neuen Weltwunders zugesprochen. So reservierte ich mir schon vorab eine Unterkunft im Dschungelgebiet an der Hacienda, um die beeindruckenden Ruinen länger besichtigen zu können. Kilometer vor der Anlage ladet eine Cenote zum baden ein. Diese schachtartigen Löcher oder Brunnen aus Kalkstein enthalten Süßwasser, entstehen durch Höhleneinstürze und ziehen sich durchs ganze Unterwasserhöhlensystem von Yukatan.

Chichen Itza soll 435 - 455 von den Mayas gegründet worden sein. Sehenswert ist neben der Pyramide, vor allem der heilige Brunnen, das Observatorium und der Ballspielplatz. Ich kehrte nach einer ersten Besichtigungstour von der Anlage zurück und legte mich in meine Hängematte. Es war Zeit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Was lag hinter mir, was kommt noch? Alleine und doch so vertraut auf einen fernen Kontinent, nur Gerüche und Geräusche des Dschungels neben mir. Ich fühlte mich sehr wohl und meine Eindrücke wurden immer lebendiger. Reiseerlebnisse tauchten nochmals auf. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort gelegen bin. Es wurde jedenfalls langsam dunkel und im Hintergrund begannen die ersten Brüllaffen zu schreien. Licht- und Lasershow im entfernten Gelände rissen mich wieder aus meinen Träumen.


Chichen Itza


Stephens und Catherwood hielten sich mehrmals in Chichen Itza auf. 35 Jahre nach ihnen reiste Teoberto Maler an, der amerikanische Diplomat Edward Herbert Thompson folgte. Er kaufte 1894 die Hacienda mit dem kompletten Gelände. Thompson forschte 26 Jahre, tauchte und baggerte die Ablagerungen des heiligen Brunnen aus. Nach seinem Tod (1935) wurde die Hacienda an eine einflussreiche mexikanische Familie verkauft, die bis heute im Besitz des Geländes ist. Zeit, um Abschied zu nehmen. Ich nutzte das gute Linienbusnetz von Mexiko und fuhr zum Ausgangspunkt Tulum zurück.

Was wurde aus den beiden Abenteurern? John Lloyd Stephens arbeitete an Plänen zum Bau eines Nicaragua-Kanals, um Atlantik und Pazifik zu verbinden und an der Finanzierung einer Eisenbahnlinie durch Panama. Er verstarb mit 46 Jahren (1852) während eines Heimaturlaubs an Malaria. Frederick Catherwood wurde vom Goldrausch in Kalifornien angezogen und verunglückte 1854 bei einem Schiffsunglück.


Interessieren Sie sich für ehemalige Hochkulturen, Abenteuer und Reisen nach Ägypten, Mittel- und Südamerika, dann würde ich mich über einen Erfahrungsaustausch sehr freuen: historikerwelt@gmx.de



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